Das Lexikon des Abnormalen: Zahlen

Deine Tage sind gezählt.

„Bingo!“ Es ist ein typischer Sonntag im Altenheim. Du sitzt bei deiner Großmutter in dem großen Aufenthaltsraum und hilfst ihr beim Bingo. Diese paar Stunden mit ihr sind immer sehr schön, besonders wenn sie dich immer mit „Da ist ja mein Glücksbringer!“ begrüßt. Du lächelst dann, umarmst sie und sagst „Schön dich zu sehen, Oma. Na, wollen wir den anderen mal wieder zeigen, wie man richtig Bingo spielt?“ Dein Blick schweift dann an die Wand, an der schon ein Dutzend Urkunden „1. Preis: Bingo!“ nebst einem Photo von euch beiden prangen. Viel mehr als diese netten Urkunden gibt die Heimleitung nicht aus, aber für deine Oma gibt es nichts Wertvolleres, als diese zeremonielle Urkundenüberreichung und das Posieren für das Photo.

Zahlen sind schon immer dein Ding gewesen. Du hast nie den Sinn von Taschenrechnern verstanden, denn wenn 352 * 746 = 262.592 sind, wofür braucht man da noch eine Maschine?

Du kennst einfach jede Zahl. Jede einzige. Jeden PIN-Code, jedes Schweizer Nummernkonto, jede falsche Buchposition bei der Steuererklärung. Du kannst einen 90-60-90 von einem 90-59-89 Körper unterscheiden und kennst all diese unwahrscheinlich langen Telefonnummern, mit denen du selbst den amerikanischen Präsidenten in seinem Oval Office erreichst. Die Abschusscodes von Atombomben, der Countdown einer Zeitbombe und den Kontostand von jeder Person.

Die Zahlen vom Bingo sind eine Leichtigkeit für dich.

Woher du diese Zahlen kennst? Das ist die falsche Frage. Denn woher wissen deine Mitmenschen, dass auf 459.690.854.436 459.690.854.437 folgt, obwohl sie noch nie zuvor an diese Zahlen gedacht haben? Man weiß es einfach.

Was kann ich tun?

1-2

Das Zahlenschloss am Fahrrad oder der Ziffernblock am Hauseingang stellen kein Hindernis für dich da. Da du die Buchungsnummern in den Hotels kennst, kannst du immer problemlos einchecken und übernachten.

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Du kennst jede Durchwahl und erreichst so telefonisch jeden, den du erreichen wilst. PIN-Codes fliegen dir nur so zu und falls jemand so unvorsichtig sein sollte, als Passwort eine Zahl zu wählen, dann kannst du dich in jedes Netzwerk einklinken.

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Auch die wirklich großen Zahlen sind kein Problem für dich. Besagte Abschusscodes der Atomwaffen, die Koordinaten eines Entführungsopfers oder die Lottozahlen stellen für dich keine Herausforderung mehr dar.

Es gibt Leute, die behaupten, unsere ganze Realität sei ein Computerprogramm und ließe sich daher als Folge von Nullen und Einsen darstellen. Sie sagen, man könne auf einem Bildschirm verfolgen, wie lange Zahlenkolonnen von oben nach unten laufen und dadurch alle Aspekte der „Realität“ wahrnehmen. Du brauchst den Bildschirm nicht, um den Binärcode zu lesen. Du kennst ihn.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Zahltag, Baby! Wenn jemand die Rechnung ohne dich gemacht hat, dann musst du ihm klar machen, dass er nichts weiter als eine Nummer im System ist. Du wirst ihm das für immer klar machen, indem du ihm die Nummer einhämmerst. In seine Haut.

Flucht

Rundungsfehler, Vorzeichenfehler, es ist alles ein großer Fehler! Irgendwo hat sich ein Zahlendreher eingeschlichen, und du musst dich zurückziehen, um noch einmal in Ruhe bis 47.433.928.458 zu zählen.

Wie verändere ich mich?

Du murmelst Zahlen vor dich hin. Die Zahlen, die besonders schön sind (oder die so schrecklich gewesen sind, dass du dich ewig an sie erinnern musst) tätowierst du dir auf deinen gesamten Körper. Du zählst ununterbrochen an deinen Fingern ab, um ja keine Fehler zu machen.

Deine Sicht auf die Dinge verändert sich stark. Du siehst nicht mehr rot, sondern den Farbcode für rot. Du siehst nicht mehr einen schönen Teppich, sondern dessen Maße. Deine ganze Umgebung wird zu einem Zahlenchaos.

Was werde ich?

Je mehr du dich in deine Zahlenwelt vertiefst, umso deutlicher wird, dass irgendetwas nicht stimmt. In der großen Weltenformel, die du an die Wände deines Hauses geschrieben hast, sind einige Elemente nicht vorhanden, die es aber da draußen in der Wirklichkeit gibt. Die Formel ist richtig, also muss die Wirklichkeit ihr angepasst werden.

Es sind nur kleine Fehler. Hier ist ein Mädchen von einem Zugunglück verschont geblieben, obwohl es eigentlich gestorben wäre. Dort schreibt jemand einen Roman, der eigentlich nie geschrieben werden dürfte. Irgendwo lieben sich zwei, die sich hassen müssten. Es sind kleine Fehler, die du ganz einfach ausmerzen kannst.

Würde man meinen. Aber das Mädchen entkommt deinem Attentat, der Roman wird aus der brennenden Wohnung gerettet und die Verliebten überstehen jede noch so gut gesponnene Intrige. Du musst dich etwas mehr anstrengen, aber es ist alles nur eine Frage der Zeit, denn du bist der Primfaktor.

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Das Lexikon des Abnormalen: Yeti

Du legst dich mit uns an? Yeti, have fun!

Dein bester Freund, das ist nicht irgendwer. Es ist ein Monster! Ein großes haariges Monster, mit Pranken so groß wie Autoreifen.

Alles begann damit, dass dir deine Mama kurz vor deiner Einschulung ein Yeti-Kuscheltier geschenkt hat. Sie meinte, der Yeti würde dich vor allem Bösen beschützen.

Wie Recht sie hatte! Du und Yeti, ihr habt euch auf Anhieb gut verstanden und die unglaublichsten Abenteuer erlebt. Er war der große Bruder, den du nie hattest.

Als auf einmal der Böse Mann aufgetaucht ist, hast du dich fast nicht mehr aus dem Bett getraut. Der Böse Mann war überall, unter dem Bett, in der Toilette, draußen vor dem Fenster. Mit Yeti zusammen hast du einen Plan ausgeheckt: Du hast Yeti oben auf dem Türsims platziert und dich in deinem Bett auf die Lauer gelegt. Als dann der Böse Mann durch die Tür kam, hast du ihn mit deiner Taschenlampe geblendet, so dass Yeti den Überraschungseffekt nutzen konnte, sich auf den Bösen Mann stürzte und ihn so verdrosch, dass dieser nur durch einen beherzten Sprung in die Kloschüssel entkommen konnte.

In den nächsten Tagen sind viele Kinder aus deiner Schulklasse spurlos verschwunden. Vorher haben sie dir erzählt, dass auch bei ihnen der Böse Mann herumgeschlichen ist. Nach ihrem Verschwinden hattest du nur noch Yeti als Freund. Yeti ist jetzt immer noch bei dir und zusammen geht ihr durch dick und dünn.

Was kann ich tun?

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Yeti ist immer da für dich. Er taucht auf und mit seinen Pranken, die so groß sind wie Autoreifen, kann er dir zur Seite stehen. Er weiß immer, wo du bist und hilft dir.

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Yeti kann dich Huckepack nehmen. Er ist unglaublich schnell und kann unwahrscheinlich gut klettern und schwimmen.

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Einmal hat deine Mama dein Yeti-Kuscheltier in ein Spielzeugpolizeiauto gesteckt. Als Yeti dann bei dir auf dem Spielplatz vorbeischaute, saß er in einem richtigen Einsatzfahrzeug der Polizei! Was du mit dem Kuscheltier machst, wird bei Yeti real. Ich sag nur: Yeti-Ritter.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Du musst einfach nur durchhalten, bis Yeti kommt. Das wird doch gehen, oder?

Flucht

Eigentlich sind dir die Leute doch egal. Du möchtest einfach nur mit Yeti zusammen sein, auf seinem Rücken durch die Wälder streifen und Abenteuer erleben. Weg von der realen Welt mit ihren realen Problemen.

Wie verändere ich mich?

Dein Redestil verändert sich. Du verwendest zunehmend den „Pluralis Majestatis“, sprichst von dir also mit „wir“ und sagst etwa „Wir können dir das nicht glauben. Du lügst uns an.“. Immer häufiger blickst du nach links über die Schulter, als würdest du dich vergewissern, dass jemand dort ist. Schulterblick, „Nicht wahr?“.

Du wirst introvertierter, denn außer Yeti versteht dich niemand richtig. Du verfällst in ein Kauderwelsch, das nur Yeti versteht. Diese eigene Sprache zwischen euch nennt ihr auch „Yeti“. „Oh, haben wir dich auf Yeti angesprochen? Tut uns leid.“

Was werde ich?

Du isolierst dich zusehends. Du sprichst nur noch Yeti und wunderst dich, dass dich niemand versteht. Du verstehst nicht einmal deine Mitmenschen, so dass Yeti für dich übersetzen muss. Er erzählt dir, was für schlimme Dinge man über dich sagt und schlägt dir vor, wie du am Besten handeln solltest. Du stimmst ihm natürlich zu, schließlich ist er dein bester Freund.

Eins kommt zum Anderen und ehe du dich versiehst, hast du ein Blutbad angerichtet. Gut, dass Yeti da ist und dir hilft. Er tut weiterhin nur das, was du ihm sagst. Aber wenn er manipulieren kann, was du sagst, dann tut er doch wohl das, was er will, oder? Du jedenfalls bist nicht mehr als eine Marionyeti.

Das Lexikon des Abnormalen: XXX

Schau nur auf meine makellose Haut - sie ist so schön, dass mir jeder vertraut.

Uh, du bist sexy. Leute blicken sich nach dir um und du kannst dir ziemlich genau vorstellen, was sie dabei denken. Sie möchten mit dir reden, dich aus der Nähe anblicken, dich berühren.

Für dich ist das ein schönes Gefühl. Als Waisenkind hast du dich immer nach Nähe und Intimität gesehnt. Du musstest dir beides hart erarbeiten, denn niemand hat dir Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit geschenkt. Du bist unzählige Male von zu Hause weggelaufen, um jemanden zu finden, der dich in die Arme nimmt, der dich liebevoll anschaut und mit dir offen spricht.

Dann kam die Pubertät und mit ihr die Veränderung deines Körpers. Auf einmal warst du nicht mehr die unscheinbare Gestalt an der Bushaltestelle, sondern der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Endlich konntest du das auskosten, was dir so lange verwehrt war: körperliche Nähe.

Als du das erste Mal diese Nähe gespürt hast, da war es dir so, als würde die ganze Welt einen Atemzug lang innehalten, als leuchteten die Sterne in einer nie dagewesen Konstellation, als wärst du auf einmal im Einklang mit dem großen Ganzen.

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Wenn du Zärtlichkeiten austauschst – wenn du eine Person innig umarmst, durch’s Haar streichst oder auf die Wange küsst – dann bildest du eine innere Verbindung mit ihr. Du weißt, wo sie ist, was sie fühlt und was sie mit ihren Sinnen wahrnimmt. Das funktioniert natürlich nur, solange die Zärtlichkeiten gegenseitig gewesen sind: einseitiges Aufzwingen von Nähe genügt nicht.

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Durch erotische Gesten – etwa ungezwungener Exhibitionismus, laszive Posen oder Küsse auf den Mund – kannst du die betroffenen Personen zu ziemlich allem überreden und sie zumindest dazu bringen, dir nichts zu tun. Das funktioniert auch in angespannten Situationen.

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Wenn du dich mit einer Person vereinigst, kannst du all euer Leid von euch nehmen. Eure (oder deine) äußeren und inneren Wunden verschließen sich und ihr spürt, im Einklang mit der Welt zu sein. In dieser Phase kann euch nichts passieren, ihr werdet von den Sternen, die das Schicksal der Welt bestimmen, beschützt und selbst aus der schrecklichsten Situation befreit.

Anmerkung: Es gibt zwei Arten, diese Fähigkeit am Spieltisch zu verwenden. Die Einfachere ist die trashig-plakative Art, bei der du die Reize deines Charakters pragmatisch und offensiv einsetzt. Du wickelst jeden um den Finger, reduzierst alle Konflikte auf die Ausnutzung archaischer Triebe und siehst in deiner Fähigkeit ein effektives Mittel zum Zweck. Interessanter und bereichernder ist hingegen die aufrichtig-emotionale Art, bei der dein Charakter wirklich Gefühle für jemanden haben muss, um die Fähigkeit einzusetzen. Dein Charkater würde sehr liebevoll sein und vielen körperlichen Kontakt suchen – sich gerne anschmiegen, Freunde zur Begrüßung küssen, Trost durch Streichelein spenden. Diese Art ist sehr viel anspruchsvoller und bedarf Vertrauen innerhalb deine Spielgruppe. Es lohnt sich aber ungemein.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Jemand erhebt die Hand gegen dich? Da hat wohl jemand nicht verstanden, in was für einer Welt er lebt. Heutzutage ist alles so plastisch und explizit… mal sehen, wie dein Gegner wohl mit einer geballten Ladung Sexualisierung zurechtkommt!

Flucht

Hinter deiner äußeren exqusisiten Fassade verbirgt sich immer noch das Waisenkind, das sich nach Zuneigung sehnt. Wenn etwas Schreckliches um dich herum passiert, dann möchtest du einfach weg und das suchen, was dir schon so lange fehlt: wahre Zärtlichkeit.

Wie verändere ich mich?

Deine Kleidung wird körperbetonter, dein Äußeres makellos. Du kleidest dich umwerfend elegant und erotisch. Du versuchst gar nicht, dich in andere Menschen hinein zu versetzen, denn du weißt, dass alle nur dieselben schmutzigen Fantasien haben. Zuerst hat dich das angewidert, aber mittlerweile bist du so weit abgestumpft, dass du es einfach ausnutzt. Wenn schon alle Leute so leicht beherrschbar sind, sobald du ihnen etwas mehr Haut zeigst, dann steht dir mit Fug und Recht die Herrschaft über sie zu. Du musst nicht die mächtigste Person im Land sein, wenn die mächtigste Person allwöchentlich in Lack und Leder gekleidet von dir ausgepeitscht wird.

Was werde ich?

Es gibt sie, diese kleinen unbescholtenen Seelen, die noch wahre Liebe empfinden, wahre Gefühle und wahre Überzeugungen haben. Menschen, die selbst deinen Reizen wiederstehen können. Du versuchst, sie an dich zu binden, aber sie weisen dich wegen deiner manipulativen Fähigkeit zurück. Ohne deine Fähigkeit würdest du aber alles verlieren, was du aufgebaut hast. Deshalb entwickelst du eine wahnsinnige Wut auf sie. Du schickst deine Untergebenen nach ihnen aus, um sie auszulöschen. Dir geht es darum, dass sich nichts deiner sexualisierten Welt entgegenstellt. Nur so kannst du deine Macht sichern. Du bist zur Bösen Königin geworden.

Das Lexikon des Abnormalen: Winter – Beispielszenario

Er zieht durch die Wälder des Nordens, Fürsten des Frosts und Knappen der Kälte

Jeder Lexikoneintrag kann problemlos zu einem „Monster of the Week“ ausgebaut werden. Beispielhaft wird das im folgenden Szenario für den Lexikoneintrag Winter gezeigt.

Übersicht

Während die Spieler sich in einer Hafenstadt im Norden aufhalten, bricht eine extreme Kälteperiode herein. Ursa Hennerson, ein sechsjähriges Mädchen, läuft von ihrem heimatlichen Hof weg, um ihre Schwester Liisa zu finden, die unter dem Männernamen Lessart bei einem Fischer angeheuert hat, dessen Walfangschiff im Packeis eingefroren ist. Ursa spürt dies, bricht jedoch schon nach kurzer Zeit zusammen und erfriert. Kurz nach ihrem Tod findet der Winter sie und gibt ihr Kraft, ihre Schwester zu finden. Da das Gehirn von Ursa schon tot war, kann der Winter nur noch das Verlangen, Liisa zu finden, erkennen. Daher bricht eine Welle der Verwüstung über die Hafenstadt herein, als Ursa mit aller Kraft versucht, ihre Schwester zu retten, ohne dass sie weiß, wo sie ist.

Siegbedingungen

Die Charaktere müssen erkennen, dass Ursa nicht böse, sondern nur auf der Suche nach jemandem ist. Dann können sie recherchieren, wen sie sucht und den Walfänger im Eis entdecken. Die entscheidende Frage ist: Zerstören sie die Zukunftswünsche von Liisa, um das Leben unschuldiger zu retten? Oder gibt es eine Alternative?

Prolog

„Eine weite, weiße Ebene aus der Vogelperspektive. Etwas Dunkles liegt im Schnee. Spuren im Schnee, wir folgen ihnen und erreichen eine in einen dicken Fellmantel gekleidete Gestalt, die vor dem Dunklen im Schnee anhält. Die Gestalt geht in die Knie und hebt das Dunkle, ein Haufen Lumpen, mit einer Hand leicht hoch. Ein Kindergesicht kommt zum Vorschein, blaß-blau und leblos. Auf einmal öffnet das Kind seine Augen, und sie sind eisblau und verbittert.“

Szene 1 – „SaSa“

Wichtige Informationen: Ein Walfangschiff steckt im Eis. Die Kältewelle kommt aus Richtung Osten und ist nur in einem Umkreis von 100 Meilen. Jakon bricht zu seiner Familie im Osten auf, die möglicherweise schon der Kälte zum Opfer gefallen ist.

Ablauf: Die Charaktere treffen in einem Gasthaus auf einander. Die Stimmung ist bedrückt, denn ein Walfangschiff hätte schon vor Tagen wieder zurückkommen sollen. Auch die momentane Kältewelle ist ungewöhnlich, denn sie trifft nur diese Region. Der Hilfskoch Jakon erzählt daraufhin die Legende von Winterwesen, die über die Orte hereinbrechen und alles Leben zu Eis erstarren lassen. Man erkennt sie daran, dass ihr Atem so kalt ist, dass sich keine Atemwolke bildet. Ihr Handschlag so eisig ist, dass Menschen zu Eis erstarren. Ihre Seele so kalt, dass jede Hoffnung gefriert.

Die Schilderung wird von einem gepressten Ruf unterbrochen, der durch die Glieder dringt. „SaaaSaaa“ ruft ein kleines Mädchen, dass von außen durch die Fenster blickt. An der Stelle ihres Mundes bildet sich am Fenster kein Kondenswasser, sondern ein riesiges Eiskristall.

Danach berstet das Fenster vor Kälte und die Beleuchtung des Raumes flackert. Dann steht die Tür offen, das Mädchen mitten darin, hinter ihr zwei Gestalten, groß und vor Kälte blau angelaufene Männer (Fürsten des Frosts). Die eisblauen Augen des Kindes fixieren eine junge Frau zwischen 15 und 18 Jahren. „SaaaSaa“. Auf dem Boden bilden sich Eisschollen, von der Decke wachsen Eiszapfen herab, die die Charaktere ergreifen, wenn sie sich nicht wie die anderen Gäste in der Küche verbarrikadieren.

Die Charaktere werden, sollten sie der jungen Frau helfen wollen, von den zwei Fürsten und den schnell wachsenden Eiszapfen attackiert. Die Fürsten, sollten sie bezwungen werden, sind normale Leichname, die schon seit Tagen tot sind.

Das Kind schaut die erstarrte Frau an, ruft noch einmal „SaaSaa“ aus und wirft sie mit einer Geste einmal quer durch den Raum. Sie bleibt an der Wand hängen, festgefroren und mit erstarrtem panischen Blick. Danach verschwindet das Kind – es zu bezwingen ist fast unmöglich, da es seine Fähigkeiten gnadenlos nutzt.

Jakon hat mit Schrecken erkannt, dass die Fürsten zwei Arbeiter von dem Hof seiner Eltern sind. Er will dorthin aufbrechen.

Die Charaktere können ihn dorthin begleiten (Szene 2), den Walfänger suchen (Szene 3) oder das Kind verfolgen (Szene 4).

Szene 2 – „Ursa“

Wichtige Informationen: Das Kind ist auf der Suche nach Liisa, seiner großen Schwester.

Ablauf: Wenn die Helden Jakons Hof erreichen, sieht man ein neues Grab im gefrorenen Boden: Seine Schwester Mara (20) wurde begraben. Jakon bricht zusammen, seine Eltern bringen alle ins Haus und berichten, dass vor wenigen Tagen ein kleines Kind „Die Ursa vom Hennersson Hof, aber eiskalt und wahnsinnig“ auf den Hof gekommen sei, „SaaSaa“ ausgerufen habe, Mara gefasst und sie dann getötet habe. Die beiden Knechte, die da waren, wurden von Eiszapfen durchbohrt, sind dann aber aufgestanden und dem Kind gefolgt. Die Eltern können noch mehr zu der Legende des Winters berichten.

Auf dem Hennerson Hof, eine weite Strecke entfernt, sucht man seit Wochen Ursa. Sie ist eines nachts abgehauen, nachdem sie schon tagelang darüber geweint hat, ihre Schwester Liisa nicht mehr zu sehen. Liisa, 17, rothaarig und groß gewachsen, ist vor Monaten in Richtung der Stadt aufgebrochen, um Arbeit zu finden.

Die Charaktere können jetzt auf die Suche nach dem Walfänger gehen (Szene 3), wenn sie dort bereits gewesen sind, kommt das Kind zurück zum heimatlichen Hof, um sich traurig und allein zur Ruhe zu legen – nicht ohne alle Bewohner vorher auszulöschen. Szene 4 beginnt.

Szene 3 – „Lessart“

Wichtige Informationen: Der Walfänger Lessart ist eine Frau, Liisa.

Ablauf: Eine Expedition macht sich über das gefrorene Meer auf, das Walfangschiff an dessen letzter bekannter Position zu finden. Nach einem Zwischenfall mit einem Fuchs des Frostes, der als Späher ausgeschickt wurde (man sieht kurzzeitig die Augen des Kindes in dem Fuchs aufblitzen), gelangen die Hundeschlitten zum Schiff. Dort treffen sie auf den Kapitän Haraud Franksen, der mit seiner Crew (Hannes Krimman, Jole Kraspel und der rothaarig-struppige Junge Lessard Hennarson) im Bauch des Schiffes wartet… denn sie werden belagert von Fürsten des Frosts!

Wenn die Nacht hereinbricht, werden Nachtwachen aufgestellt. Der Charakter, der mit Lessard Hennarson eine Schicht teilt, wird von ihm in ein Gespräch über „wie es ist, in die Welt hinauszuziehen und seine Familie zurückzulassen.“ Dabei wird deutlich, dass Lennard eigentlich ein Mädchen ist, das aber in der rauen Männerwelt nur durch die Verkleidung bestehen kann. Sie bittet den Charakter, nicht das zu zerstören, was sie dabei ist, aufzubauen, denn der Kapitän würde sie wegen ihrer raschen Auffassungsgabe seinem Bruder, einem angesehenen Polarforscher, empfehlen.

Die Fürsten des Frostes wagen einen Angriff auf das Schiff, verlieren aber ihr Interesse, sobald sie erkennen, dass keine jugendlichen Frauen an Bord sind. Alternativ beginnt Szene 4.

Szene 4 – „Winterwende“

Ablauf: Mit dem Kind kommt eine Welle der Verwüstung über jede Behausung. Leichen säumen seinen Weg, und immer wieder hört man „SaaaSaaa“. Es tauchen mehr und mehr Fürsten des Frostes (Menschen, Wölfe, Füchse etc.) auf. Eine Konfrontation kann auf verschiedene Wege ausgehen:

  • Im direkten Kampf ist das Kind überlegen. Falls ein Charakter für kurze Zeit in die Hände der Fürsten oder des Kindes fällt, erlangt er die Fähigkeiten der Fürsten des Frosts, kann sie und sich selbst aber zeitweise nicht ganz beherrschen.
  • Wenn die Charaktere mit dem Kind reden wollen, so starrt es sie nur verständnislos an.
  • Wenn die Charaktere Liisa zwingen, dem Kind gegenüber zu treten, wird Liisa zu einer Fürstin des Frostes, aber beide ziehen davon.
  • Wenn Liisa dem Kind freiwillig gegenübertritt, sieht es erst so aus, als würde auch sie zu einer Fürstin des Frostes. Dann aber erkennt das Kind Liisa, wodurch die Suche zuende ist. Das Kind verliert seine Fähigkeiten und sackt zusammen – es ist ja bereits seit Tagen tot.

Epilog

„Eine weite, weiße Ebene aus der Vogelperspektive. Etwas Dunkles liegt im Schnee. Nein, es geht durch den Schnee. Es ist die Gestalt in dem langen Fellmantel, die durch den Schnee wandert, während die Eiszapfen tauen und Tropfen in den immer spärlicher werdenden Schnee fallen. Die Gestalt geht zurück Richtung Norden und ist irgendwann nicht mehr zu sehen.“

Das Lexikon des Abnormalen: Winter

Eisblumen im Atem kann Frostfürsten verraten

Hoch oben im Norden, hinter der Taiga und Tundra, sitzt der Winter auf seinem Thron aus Eis und Frost. Aus seinem Palast des Schnees und der Kälte strömen in der dunklen Jahreszeit seine Ritter des Raureifs, Fürsten des Frosts und Knappen der Kälte. Sie fallen in alle Länder ein, treiben die Menschen nach drinnen an die warmen Herde, die Tiere tief in die Höhlen und Baus und töten alles Ungetier, Borkenkäfer und Stechmücken. Danach wird Feld und Flur in ein isolierendes Weiß gekleidet, damit die Pflanzen vor dem eisigen Wind geschützt sind. Die Seen werden versiegelt, damit die Fische nicht von Schneestürmen überrascht werden. Es ist immer viel zu leisten, aber das Gefolge des Winters ist unermüdlich und freudig bei der Arbeit.

Selten einmal begibt der Winter sich selbst hinaus in die weite Welt. Dann streift er sich den Mantel eines Bettlers über und streift durch die von seinen Untertanen befriedete Landschaften. Er begutachtet die Arbeit, ist meist sehr zufrieden und stößt ein wohliges polterndes Lachen aus, wenn ihn etwas besonders amüsiert, etwa besonders schöne Eiskristalle.

Wenn er auf seinen Streifzügen aber Menschen begegnet, so spricht er sie an und fragt sie nach dem woher und wohin. Der Winter hat Mitleid mit denjenigen, die zu dieser Zeit durch die weiße Welt streifen und versucht, ihnen zu helfen. Er hat zwar kein Verständnis für menschliche Gedanken, aber er fühlt, wenn jemand in Not ist und je mehr der Mensch Hilfe benötigt, umso mehr von seiner eigenen Kraft gibt der Winter ihm.

Du bist dem Winter heute begegnet.

1-2

Kälte kann dir nichts anhaben. Selbst im größten Schneegestöber siehst du klar und deutlich, und Schnee und Eis sind für dich transparent.

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Du kannst über Knappen der Kälte befehlen. Es bilden sich auf deinen Willen hin Eisbrücken über Flüsse, Regen wird zu Hagel und Eiszapfen wachsen wie Stalagtiten aus dem Boden und von der Decke herab. Wer nicht aufpasst, kann von herabwachsenden Eiszapfen erwürgt werden.

5-6

Du kannst Mensch und Tier zu Fürsten des Frosts ernennen. Die Verleihung dieser Würde muss von dem Erwählten gewollt sein, oder er muss tot sein. Danach steht er unter deiner Kontrolle, ist fast so unzerstörbar wie der Permafrost, den seine Haut überzieht. Er spürt weder Müdigkeit noch Schwäche und kann mit seinem eisigen Blick und seinen eisigen Händen alles gefrieren lassen, was er berührt. Die Verleihung kann auch nur auf Zeit erfolgen.

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Der Winter hat dich mit seiner Kraft ausgestattet. Hat man je davon gehört, dass der Winter besiegt wurde, dass es in einem Jahr keinen Winter gegeben hat?

Flucht

Die Stärke des Winters liegt in seinem langen Atem. Er mag zurückweichen, wenige Tage den Tau zulassen, um dann mit geballter Kraft zurückzukehren.

Wie verändere ich mich?

Eigentlich dauert die Kraft des Winters nur bis zum Frühling an. Wenn du aber dem Winter wohlgefällige Dienste erweist, kann er dich zu einem seiner Vasallen des Winters ernennen. Dann bleiben dir deine Fähigkeiten erhalten. Dein Atem ist immer eisig, genau wie dein Händedruck. Deine Iris wird eisblau.

Was werde ich?

Je nachdem, in welchem Zustand der Winter dich angetroffen hat, intensiviert sich dein Verhalten. Wenn du auf der Suche nach jemandem warst, verfolgst du ihn weiterhin mit eisiger Kälte. Wenn du voller Angst warst, rächst du dich an denen, die dir Angst gemacht haben. Wenn du ein Ziel hattest, versuchst du es mit aller Gewalt zu erreichen.

Du bist zu einem Vasallen des Winters geworden.

Das Lexikon des Abnormalen: Van Gogh

Eine Revolution per Pinselstreich - so wird man Herr im eignen Reich

Eigentlich hättest du es schon früher ahnen können. Die Sonnenblumen. Die Vasen. Das Café. Ja, eigentlich hättest du es schon viel früher ahnen können.

Hast du aber nicht. Wie solltest du auch, als Waisenkind bei ignoranten Pflegeeltern hattest du weiß Gott anderes zu tun. Du bist mit deinen Kumpels um die Häuser gezogen. Die Markenklamotten habt ihr euren reichen Mitschülern abgezogen, denn Geld für so etwas Banales auszugeben, wäre auch bescheuert gewesen. Geld gibt man für Tins aus. Für diese kleinen Tuben voller Glückseligkeit, die aus einer tristen Unterführung die Höhlen des Bergkönigs machen, die rote Bahnwaggons zu chinesischne Drachen werden lassen und die den lächendelnden Sonnyboy auf dem überlebensgroßen Poster mit ein paar wohldosierten Strichen in einen gisteskranken Kobold verwandeln.

Als Sprayer hast du es schnell zur Berühmtheit gebracht. Echt, ein paar kleine Twitternachrichten, und schon kamen die Leute in Scharen. Weißt du noch, wie du in dem alten U-Bahn-Schacht den ganzen Tag gesprayed hast, die Decke voller Scheinwerfer, die Wände voller Boxen, Tresen mit den freakigsten Getränken (weißt du noch, die Aufschrift: Beat of the Beast? – geiles Zeug!) und heißen Mädels als Bedienung gemalt hast? Dann die Fahrkartenautomaten, die zu Käfigen gesprayed wurden, in denen berauschende Schönheiten tanzen. Und dann der Höhepunkt: Eine ganze Wand nur ein Panorama – Nirvana, mit Kurt Cobaine in der Mitte, eine Momentaufnahme von ihrem besten Konzert. Dann der Tweet und ab ging der Gig!

Beste. Show. Ever.

Doch Vorsicht, alles was du erschaffst verschwindet, wenn jemand deine Striche entfernt.

1-2

Was du malst, wird Realität. Male an eine Wasserpistole einen Abzug und mit etwas Mühe und Liebe zum Detail kannst du sie dann einfach wie eine Echte abfeuern. Mit weniger Mühe ist’s doch nur eine Schreckschusspistole. Die Vase neben dir wird mit einem angemalten Schlauch zu einem Feuerlöscher und der Apfel in deiner Hand… ein paar kleine kosmetische Veränderungen, und schon wird der Stengel zum Splint und der Apfel zur Handgranate.

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Auch größere Bilder werden Realität. Male dir einen Weltraumanzug auf die Haut oder einen heftigen Motor auf deine Fahrradtaschen. Praktisch ist es etwa, wenn du gerade aus 2.000 Metern auf die Erdoberfläche zurast und Filzstift und einen Rucksack dabei hast, an den du eine Reißleine malen kannst. Was du mit einer Gummipuppe und einem Foto von Jessica Alba anstellst, bleibt dir überlassen.

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Jetzt sind deiner Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Du kannst Wände, Böden und Decken in fantastische Szenerien verwandeln. Das coolste ist: Du kannst sie sogar begehen! Auf zur Nashornsafari. Nein, ins Himalaya. Nein, auf die Brücke der Enterprise! Du musst nur aufpassen, dass niemand das Bild verändert, während du in ihm bist. Aber no risk, no fun.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Du machst dir die Welt, wie sie dir gefällt. So einfach ist das. Mal gucken, wie dein Gegner aussieht, wenn du ein Fadenkreuz auf seine Stirn gekritzelt hast.

Flucht

Deine Malerei und deine Zeichnungen sind nur flüchtig. Sie verschwinden mit der Zeit. Solange du noch lebst, musst du dein Lebenswerk vollenden. Das kannst du nur in Ruhe, nicht in dieser Situation hier. Wenn du jetzt verschwindest, rettest du deine ganzen zukünftigen Meisterwerke für die Nachwelt.

Wie verändere ich mich?

Je mehr du malst, umso mehr wirst du dir deines Erbes bewusst. Du bist der geistige Nachfolger des großen flämischen Malers, der wie kein Zweiter die Kunstwelt verändert hat.

Daher kleidest du dich standesgemäß. Dein Strohhut ist dein Markenzeichen, dazu ein Flanellhemd in hellen Farben. Insgesamt machst du einen ärmlichen Eindruck, denn wahre Genies werden nur nach ihrem Tod berühmt, zu Lebzeiten aber verkannt.

Was werde ich?

Deine Fähigkeiten willst du in den Dienst der Kunst stellen. Seit Jahrhunderten malen die fähigsten Künstler Gemälde und formen Skulpturen. Du kannst diesen Kunstwerken Esprit einhauchen, das ist deine künstlerische Pflicht. Die Menschheit soll nicht nur sehen, sondern mit allen Sinnen wahrnehmen, was über Generationen geschaffen wurde.

Am Einfachsten ist es für dich, ins Museum zu gehen und die Gemälde zum Leben erwecken. Die Sonnenblumen von Van Gogh wiegen sich im Wind, die Hasen von Dürer hoppeln über die Museumsflure und der Schrei von Munch schallt durch die Säle. Auch die düsteren Bilder, das Jüngste Gericht von Hieronymus Bosch oder das klassische Gemälde des Sturms auf die Bastille von Houel sehnen sich danach, real zu werden.

Danach aber schaust du dich um. Überall befinden sich Statuen, Engel, Feldherren, Kaiser. Wenn sie durch die Luft fliegen oder auf ihren Streitrössern durch die Straßen galoppieren, dann ist das lebendige Geschichte! Hast du das Dinosaurierskelett im Naturkundemuseum gesehen? Du bist zum Schöpfergeist geworden.

Das Lexikon des Abnormalen: Ultraschall

Der höchste Ton bringt die Höchsten zu Fall - das ist die Welt des Ultraschall

In dem Augenblick verlief alles in Zeitlupe. Du standest auf dem Fußweg und sahst, wie der Fußball langsam durch die Luft flog. Dein kleiner Bruder hatte seine Augen nur auf den Ball gerichtet und lief ihm blindlings nach. Der Ball flog weiter, unglaublich langsam, und befand sich schon mitten auf der Straße. Dein Bruder lief auf die Straße, und das blaue Auto war nur noch wenige Meter von seinem zerbrechlichen Körper entfernt.

Da hast du geschrien. So laut, wie du noch nie geschrien hast. Dein Brillenglas ist geplatzt. Die Windschutzscheibe des blauen Autos ist geplatzt. Der Ball ist geplatzt. Du hast weiter geschrien, in derselben schrillen Höhe. Dann hat sich das blaue Auto plötzlich nach oben bewegt, ist über deinen Bruder geschwebt und dann gegen einen Baum geknallt.

Der Rauch kam erst aus dem Auto, als du aufgehört hast, zu schreien.

1-2

Du kannst durch einen hohen Schrei Fenster und Gläser platzen lassen. Umstehende müssen sich die Ohren zuhalten, um nicht taub zu werden – oder sie werden durch den Klang deiner Stimme verändert: Freude, Extase, Ruhe etc. sind möglich. Wenn du dich anstrengst, stören deine Wellen die Funkübertragung in deiner Umgebung: Funk-Videoüberwachung funktioniert nicht mehr und in Handys, Radios und Fernsehern hört man auf allen Kanälen deine Stimme.

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Du kannst unhörbar hohe Töne ausstoßen und dich dann wie eine Fledermaus an dem Echo orientieren. Das heißt, auch in vollkommener Dunkelheit, Nebel etc. kannst du deine Umgebung wahrnehmen. Mit diesen Tönen kannst du auch die Materialien in deiner Umgebung durchdringen und hast folglich ein Ultraschallbild von allem, was sich in mehreren Metern Entfernung befindet.

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Die Wissenschaft nennt so etwas „Ultraschalllevitation“, für dich ist es einfach krass. Mit deiner Stimme kannst du Gegenstände schweben lassen! Die Größe ist relativ egal. Du kannst sogar einen Teil eines Gegenstandes (oder Person) nach links, den anderen Teil nach rechts schweben lassen und den Gegenstand so in der Luft zerreißen.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Der Kriegsschrei ist einer der ältesten Motivationskniffe der Menschheit. Wenn du dich selbst schreien hörst, dann willst du einfach über das Schlachtfeld herrschen und das Banner des Sieges wehen lassen.

Flucht

Schrei wenn du kannst! Geschrei löst Panik aus, und dein Geschrei erst recht. Es ist wie damals mit deinem Bruder. Du schreist, und die Welt hält sich die Ohren zu. Das sind wertvolle Sekunden, um abzuhauen.

Wie verändere ich mich?

Deine Stimme wird mehr und mehr dein Ein und Alles. Du trainierst sie ununterbrochen. Morgens beim Bäcker flötest du ein paar nette Töne, damit der Bäckersjunge rot anläuft und verlegen den Kopf senkt. Wenn dich jemand im Zug nervt, dann schreist du ihn kurz und kräftig an, so dass er sich zusammenkrümmt und betet, dass der infernalische Klang vorübergeht.

Um zu kontrollieren, dass deine Stimme immer in der richtigen Stimmlage ist, trägst du eine große Stimmgabel um deinen Hals. Du hast schon oft erlebt, dass dich deine eigene Stimme in Panik verfallen lässt, so dass du fast immer Oropax trägst. Da deine Lippen das bedeutendste an dir sind, sind sie immer in einer ausgefallenen Farbe geschminkt.

Was werde ich?

Es gibt andere Menschen, die mit ihrer Stimme das vermögen, was du kannst. Sopranistinnen, Solosänger, Opernsänger und andere Gesangskünstler können mit ihrer Stimme ihr Publikum verzaubern. Für dich sind das Stümper, die mit ihren lachhaften Gesangskünsten deine Stimme beleidigen. Daher hast du es dir zur Aufgabe gemacht, diese Kunstbanausen zu vernichten. Sie in der Luft zu zerreißen wäre aber banal. Interessanter und qualvoller ist es, sie ihrer Stimme zu berauben. Durch einen intensiven und für die Stümper qualvollen Zungenkuss kannst du ihre Stimmbänder stehlen und sie selbst benutzen.

Damit sie nicht ausplaudern, was du ihnen angetan hast, schreist du sie danach kurz und kräftig in den Wahnsinn. Wenn die Stümper danach Selbstmord oder Mord begehen, so ist das nicht deine Schuld. Du bist einfach nur die Stimme.