Das Lexikon des Abnormalen: XXX

Schau nur auf meine makellose Haut - sie ist so schön, dass mir jeder vertraut.

Uh, du bist sexy. Leute blicken sich nach dir um und du kannst dir ziemlich genau vorstellen, was sie dabei denken. Sie möchten mit dir reden, dich aus der Nähe anblicken, dich berühren.

Für dich ist das ein schönes Gefühl. Als Waisenkind hast du dich immer nach Nähe und Intimität gesehnt. Du musstest dir beides hart erarbeiten, denn niemand hat dir Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit geschenkt. Du bist unzählige Male von zu Hause weggelaufen, um jemanden zu finden, der dich in die Arme nimmt, der dich liebevoll anschaut und mit dir offen spricht.

Dann kam die Pubertät und mit ihr die Veränderung deines Körpers. Auf einmal warst du nicht mehr die unscheinbare Gestalt an der Bushaltestelle, sondern der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Endlich konntest du das auskosten, was dir so lange verwehrt war: körperliche Nähe.

Als du das erste Mal diese Nähe gespürt hast, da war es dir so, als würde die ganze Welt einen Atemzug lang innehalten, als leuchteten die Sterne in einer nie dagewesen Konstellation, als wärst du auf einmal im Einklang mit dem großen Ganzen.

1-2

Wenn du Zärtlichkeiten austauschst – wenn du eine Person innig umarmst, durch’s Haar streichst oder auf die Wange küsst – dann bildest du eine innere Verbindung mit ihr. Du weißt, wo sie ist, was sie fühlt und was sie mit ihren Sinnen wahrnimmt. Das funktioniert natürlich nur, solange die Zärtlichkeiten gegenseitig gewesen sind: einseitiges Aufzwingen von Nähe genügt nicht.

3-4

Durch erotische Gesten – etwa ungezwungener Exhibitionismus, laszive Posen oder Küsse auf den Mund – kannst du die betroffenen Personen zu ziemlich allem überreden und sie zumindest dazu bringen, dir nichts zu tun. Das funktioniert auch in angespannten Situationen.

5-6

Wenn du dich mit einer Person vereinigst, kannst du all euer Leid von euch nehmen. Eure (oder deine) äußeren und inneren Wunden verschließen sich und ihr spürt, im Einklang mit der Welt zu sein. In dieser Phase kann euch nichts passieren, ihr werdet von den Sternen, die das Schicksal der Welt bestimmen, beschützt und selbst aus der schrecklichsten Situation befreit.

Anmerkung: Es gibt zwei Arten, diese Fähigkeit am Spieltisch zu verwenden. Die Einfachere ist die trashig-plakative Art, bei der du die Reize deines Charakters pragmatisch und offensiv einsetzt. Du wickelst jeden um den Finger, reduzierst alle Konflikte auf die Ausnutzung archaischer Triebe und siehst in deiner Fähigkeit ein effektives Mittel zum Zweck. Interessanter und bereichernder ist hingegen die aufrichtig-emotionale Art, bei der dein Charakter wirklich Gefühle für jemanden haben muss, um die Fähigkeit einzusetzen. Dein Charkater würde sehr liebevoll sein und vielen körperlichen Kontakt suchen – sich gerne anschmiegen, Freunde zur Begrüßung küssen, Trost durch Streichelein spenden. Diese Art ist sehr viel anspruchsvoller und bedarf Vertrauen innerhalb deine Spielgruppe. Es lohnt sich aber ungemein.

Wie zerstört es mich?

Kampf

Jemand erhebt die Hand gegen dich? Da hat wohl jemand nicht verstanden, in was für einer Welt er lebt. Heutzutage ist alles so plastisch und explizit… mal sehen, wie dein Gegner wohl mit einer geballten Ladung Sexualisierung zurechtkommt!

Flucht

Hinter deiner äußeren exqusisiten Fassade verbirgt sich immer noch das Waisenkind, das sich nach Zuneigung sehnt. Wenn etwas Schreckliches um dich herum passiert, dann möchtest du einfach weg und das suchen, was dir schon so lange fehlt: wahre Zärtlichkeit.

Wie verändere ich mich?

Deine Kleidung wird körperbetonter, dein Äußeres makellos. Du kleidest dich umwerfend elegant und erotisch. Du versuchst gar nicht, dich in andere Menschen hinein zu versetzen, denn du weißt, dass alle nur dieselben schmutzigen Fantasien haben. Zuerst hat dich das angewidert, aber mittlerweile bist du so weit abgestumpft, dass du es einfach ausnutzt. Wenn schon alle Leute so leicht beherrschbar sind, sobald du ihnen etwas mehr Haut zeigst, dann steht dir mit Fug und Recht die Herrschaft über sie zu. Du musst nicht die mächtigste Person im Land sein, wenn die mächtigste Person allwöchentlich in Lack und Leder gekleidet von dir ausgepeitscht wird.

Was werde ich?

Es gibt sie, diese kleinen unbescholtenen Seelen, die noch wahre Liebe empfinden, wahre Gefühle und wahre Überzeugungen haben. Menschen, die selbst deinen Reizen wiederstehen können. Du versuchst, sie an dich zu binden, aber sie weisen dich wegen deiner manipulativen Fähigkeit zurück. Ohne deine Fähigkeit würdest du aber alles verlieren, was du aufgebaut hast. Deshalb entwickelst du eine wahnsinnige Wut auf sie. Du schickst deine Untergebenen nach ihnen aus, um sie auszulöschen. Dir geht es darum, dass sich nichts deiner sexualisierten Welt entgegenstellt. Nur so kannst du deine Macht sichern. Du bist zur Bösen Königin geworden.

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