Das Lexikon des Abnormalen: Winter – Beispielszenario

Er zieht durch die Wälder des Nordens, Fürsten des Frosts und Knappen der Kälte

Jeder Lexikoneintrag kann problemlos zu einem „Monster of the Week“ ausgebaut werden. Beispielhaft wird das im folgenden Szenario für den Lexikoneintrag Winter gezeigt.

Übersicht

Während die Spieler sich in einer Hafenstadt im Norden aufhalten, bricht eine extreme Kälteperiode herein. Ursa Hennerson, ein sechsjähriges Mädchen, läuft von ihrem heimatlichen Hof weg, um ihre Schwester Liisa zu finden, die unter dem Männernamen Lessart bei einem Fischer angeheuert hat, dessen Walfangschiff im Packeis eingefroren ist. Ursa spürt dies, bricht jedoch schon nach kurzer Zeit zusammen und erfriert. Kurz nach ihrem Tod findet der Winter sie und gibt ihr Kraft, ihre Schwester zu finden. Da das Gehirn von Ursa schon tot war, kann der Winter nur noch das Verlangen, Liisa zu finden, erkennen. Daher bricht eine Welle der Verwüstung über die Hafenstadt herein, als Ursa mit aller Kraft versucht, ihre Schwester zu retten, ohne dass sie weiß, wo sie ist.

Siegbedingungen

Die Charaktere müssen erkennen, dass Ursa nicht böse, sondern nur auf der Suche nach jemandem ist. Dann können sie recherchieren, wen sie sucht und den Walfänger im Eis entdecken. Die entscheidende Frage ist: Zerstören sie die Zukunftswünsche von Liisa, um das Leben unschuldiger zu retten? Oder gibt es eine Alternative?

Prolog

„Eine weite, weiße Ebene aus der Vogelperspektive. Etwas Dunkles liegt im Schnee. Spuren im Schnee, wir folgen ihnen und erreichen eine in einen dicken Fellmantel gekleidete Gestalt, die vor dem Dunklen im Schnee anhält. Die Gestalt geht in die Knie und hebt das Dunkle, ein Haufen Lumpen, mit einer Hand leicht hoch. Ein Kindergesicht kommt zum Vorschein, blaß-blau und leblos. Auf einmal öffnet das Kind seine Augen, und sie sind eisblau und verbittert.“

Szene 1 – „SaSa“

Wichtige Informationen: Ein Walfangschiff steckt im Eis. Die Kältewelle kommt aus Richtung Osten und ist nur in einem Umkreis von 100 Meilen. Jakon bricht zu seiner Familie im Osten auf, die möglicherweise schon der Kälte zum Opfer gefallen ist.

Ablauf: Die Charaktere treffen in einem Gasthaus auf einander. Die Stimmung ist bedrückt, denn ein Walfangschiff hätte schon vor Tagen wieder zurückkommen sollen. Auch die momentane Kältewelle ist ungewöhnlich, denn sie trifft nur diese Region. Der Hilfskoch Jakon erzählt daraufhin die Legende von Winterwesen, die über die Orte hereinbrechen und alles Leben zu Eis erstarren lassen. Man erkennt sie daran, dass ihr Atem so kalt ist, dass sich keine Atemwolke bildet. Ihr Handschlag so eisig ist, dass Menschen zu Eis erstarren. Ihre Seele so kalt, dass jede Hoffnung gefriert.

Die Schilderung wird von einem gepressten Ruf unterbrochen, der durch die Glieder dringt. „SaaaSaaa“ ruft ein kleines Mädchen, dass von außen durch die Fenster blickt. An der Stelle ihres Mundes bildet sich am Fenster kein Kondenswasser, sondern ein riesiges Eiskristall.

Danach berstet das Fenster vor Kälte und die Beleuchtung des Raumes flackert. Dann steht die Tür offen, das Mädchen mitten darin, hinter ihr zwei Gestalten, groß und vor Kälte blau angelaufene Männer (Fürsten des Frosts). Die eisblauen Augen des Kindes fixieren eine junge Frau zwischen 15 und 18 Jahren. „SaaaSaa“. Auf dem Boden bilden sich Eisschollen, von der Decke wachsen Eiszapfen herab, die die Charaktere ergreifen, wenn sie sich nicht wie die anderen Gäste in der Küche verbarrikadieren.

Die Charaktere werden, sollten sie der jungen Frau helfen wollen, von den zwei Fürsten und den schnell wachsenden Eiszapfen attackiert. Die Fürsten, sollten sie bezwungen werden, sind normale Leichname, die schon seit Tagen tot sind.

Das Kind schaut die erstarrte Frau an, ruft noch einmal „SaaSaa“ aus und wirft sie mit einer Geste einmal quer durch den Raum. Sie bleibt an der Wand hängen, festgefroren und mit erstarrtem panischen Blick. Danach verschwindet das Kind – es zu bezwingen ist fast unmöglich, da es seine Fähigkeiten gnadenlos nutzt.

Jakon hat mit Schrecken erkannt, dass die Fürsten zwei Arbeiter von dem Hof seiner Eltern sind. Er will dorthin aufbrechen.

Die Charaktere können ihn dorthin begleiten (Szene 2), den Walfänger suchen (Szene 3) oder das Kind verfolgen (Szene 4).

Szene 2 – „Ursa“

Wichtige Informationen: Das Kind ist auf der Suche nach Liisa, seiner großen Schwester.

Ablauf: Wenn die Helden Jakons Hof erreichen, sieht man ein neues Grab im gefrorenen Boden: Seine Schwester Mara (20) wurde begraben. Jakon bricht zusammen, seine Eltern bringen alle ins Haus und berichten, dass vor wenigen Tagen ein kleines Kind „Die Ursa vom Hennersson Hof, aber eiskalt und wahnsinnig“ auf den Hof gekommen sei, „SaaSaa“ ausgerufen habe, Mara gefasst und sie dann getötet habe. Die beiden Knechte, die da waren, wurden von Eiszapfen durchbohrt, sind dann aber aufgestanden und dem Kind gefolgt. Die Eltern können noch mehr zu der Legende des Winters berichten.

Auf dem Hennerson Hof, eine weite Strecke entfernt, sucht man seit Wochen Ursa. Sie ist eines nachts abgehauen, nachdem sie schon tagelang darüber geweint hat, ihre Schwester Liisa nicht mehr zu sehen. Liisa, 17, rothaarig und groß gewachsen, ist vor Monaten in Richtung der Stadt aufgebrochen, um Arbeit zu finden.

Die Charaktere können jetzt auf die Suche nach dem Walfänger gehen (Szene 3), wenn sie dort bereits gewesen sind, kommt das Kind zurück zum heimatlichen Hof, um sich traurig und allein zur Ruhe zu legen – nicht ohne alle Bewohner vorher auszulöschen. Szene 4 beginnt.

Szene 3 – „Lessart“

Wichtige Informationen: Der Walfänger Lessart ist eine Frau, Liisa.

Ablauf: Eine Expedition macht sich über das gefrorene Meer auf, das Walfangschiff an dessen letzter bekannter Position zu finden. Nach einem Zwischenfall mit einem Fuchs des Frostes, der als Späher ausgeschickt wurde (man sieht kurzzeitig die Augen des Kindes in dem Fuchs aufblitzen), gelangen die Hundeschlitten zum Schiff. Dort treffen sie auf den Kapitän Haraud Franksen, der mit seiner Crew (Hannes Krimman, Jole Kraspel und der rothaarig-struppige Junge Lessard Hennarson) im Bauch des Schiffes wartet… denn sie werden belagert von Fürsten des Frosts!

Wenn die Nacht hereinbricht, werden Nachtwachen aufgestellt. Der Charakter, der mit Lessard Hennarson eine Schicht teilt, wird von ihm in ein Gespräch über „wie es ist, in die Welt hinauszuziehen und seine Familie zurückzulassen.“ Dabei wird deutlich, dass Lennard eigentlich ein Mädchen ist, das aber in der rauen Männerwelt nur durch die Verkleidung bestehen kann. Sie bittet den Charakter, nicht das zu zerstören, was sie dabei ist, aufzubauen, denn der Kapitän würde sie wegen ihrer raschen Auffassungsgabe seinem Bruder, einem angesehenen Polarforscher, empfehlen.

Die Fürsten des Frostes wagen einen Angriff auf das Schiff, verlieren aber ihr Interesse, sobald sie erkennen, dass keine jugendlichen Frauen an Bord sind. Alternativ beginnt Szene 4.

Szene 4 – „Winterwende“

Ablauf: Mit dem Kind kommt eine Welle der Verwüstung über jede Behausung. Leichen säumen seinen Weg, und immer wieder hört man „SaaaSaaa“. Es tauchen mehr und mehr Fürsten des Frostes (Menschen, Wölfe, Füchse etc.) auf. Eine Konfrontation kann auf verschiedene Wege ausgehen:

  • Im direkten Kampf ist das Kind überlegen. Falls ein Charakter für kurze Zeit in die Hände der Fürsten oder des Kindes fällt, erlangt er die Fähigkeiten der Fürsten des Frosts, kann sie und sich selbst aber zeitweise nicht ganz beherrschen.
  • Wenn die Charaktere mit dem Kind reden wollen, so starrt es sie nur verständnislos an.
  • Wenn die Charaktere Liisa zwingen, dem Kind gegenüber zu treten, wird Liisa zu einer Fürstin des Frostes, aber beide ziehen davon.
  • Wenn Liisa dem Kind freiwillig gegenübertritt, sieht es erst so aus, als würde auch sie zu einer Fürstin des Frostes. Dann aber erkennt das Kind Liisa, wodurch die Suche zuende ist. Das Kind verliert seine Fähigkeiten und sackt zusammen – es ist ja bereits seit Tagen tot.

Epilog

„Eine weite, weiße Ebene aus der Vogelperspektive. Etwas Dunkles liegt im Schnee. Nein, es geht durch den Schnee. Es ist die Gestalt in dem langen Fellmantel, die durch den Schnee wandert, während die Eiszapfen tauen und Tropfen in den immer spärlicher werdenden Schnee fallen. Die Gestalt geht zurück Richtung Norden und ist irgendwann nicht mehr zu sehen.“

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2 Gedanken zu „Das Lexikon des Abnormalen: Winter – Beispielszenario

  1. Hey, coole Idee!
    Mal schauen, ob ich dieses oder ein ähnliches Szenario nicht am Samstag als unknownarmies Oneshot auf nem Con leite (=
    Gruß
    DasChris

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