Das Lexikon des Abnormalen: Winter

Eisblumen im Atem kann Frostfürsten verraten

Hoch oben im Norden, hinter der Taiga und Tundra, sitzt der Winter auf seinem Thron aus Eis und Frost. Aus seinem Palast des Schnees und der Kälte strömen in der dunklen Jahreszeit seine Ritter des Raureifs, Fürsten des Frosts und Knappen der Kälte. Sie fallen in alle Länder ein, treiben die Menschen nach drinnen an die warmen Herde, die Tiere tief in die Höhlen und Baus und töten alles Ungetier, Borkenkäfer und Stechmücken. Danach wird Feld und Flur in ein isolierendes Weiß gekleidet, damit die Pflanzen vor dem eisigen Wind geschützt sind. Die Seen werden versiegelt, damit die Fische nicht von Schneestürmen überrascht werden. Es ist immer viel zu leisten, aber das Gefolge des Winters ist unermüdlich und freudig bei der Arbeit.

Selten einmal begibt der Winter sich selbst hinaus in die weite Welt. Dann streift er sich den Mantel eines Bettlers über und streift durch die von seinen Untertanen befriedete Landschaften. Er begutachtet die Arbeit, ist meist sehr zufrieden und stößt ein wohliges polterndes Lachen aus, wenn ihn etwas besonders amüsiert, etwa besonders schöne Eiskristalle.

Wenn er auf seinen Streifzügen aber Menschen begegnet, so spricht er sie an und fragt sie nach dem woher und wohin. Der Winter hat Mitleid mit denjenigen, die zu dieser Zeit durch die weiße Welt streifen und versucht, ihnen zu helfen. Er hat zwar kein Verständnis für menschliche Gedanken, aber er fühlt, wenn jemand in Not ist und je mehr der Mensch Hilfe benötigt, umso mehr von seiner eigenen Kraft gibt der Winter ihm.

Du bist dem Winter heute begegnet.

1-2

Kälte kann dir nichts anhaben. Selbst im größten Schneegestöber siehst du klar und deutlich, und Schnee und Eis sind für dich transparent.

3-4

Du kannst über Knappen der Kälte befehlen. Es bilden sich auf deinen Willen hin Eisbrücken über Flüsse, Regen wird zu Hagel und Eiszapfen wachsen wie Stalagtiten aus dem Boden und von der Decke herab. Wer nicht aufpasst, kann von herabwachsenden Eiszapfen erwürgt werden.

5-6

Du kannst Mensch und Tier zu Fürsten des Frosts ernennen. Die Verleihung dieser Würde muss von dem Erwählten gewollt sein, oder er muss tot sein. Danach steht er unter deiner Kontrolle, ist fast so unzerstörbar wie der Permafrost, den seine Haut überzieht. Er spürt weder Müdigkeit noch Schwäche und kann mit seinem eisigen Blick und seinen eisigen Händen alles gefrieren lassen, was er berührt. Die Verleihung kann auch nur auf Zeit erfolgen.

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Der Winter hat dich mit seiner Kraft ausgestattet. Hat man je davon gehört, dass der Winter besiegt wurde, dass es in einem Jahr keinen Winter gegeben hat?

Flucht

Die Stärke des Winters liegt in seinem langen Atem. Er mag zurückweichen, wenige Tage den Tau zulassen, um dann mit geballter Kraft zurückzukehren.

Wie verändere ich mich?

Eigentlich dauert die Kraft des Winters nur bis zum Frühling an. Wenn du aber dem Winter wohlgefällige Dienste erweist, kann er dich zu einem seiner Vasallen des Winters ernennen. Dann bleiben dir deine Fähigkeiten erhalten. Dein Atem ist immer eisig, genau wie dein Händedruck. Deine Iris wird eisblau.

Was werde ich?

Je nachdem, in welchem Zustand der Winter dich angetroffen hat, intensiviert sich dein Verhalten. Wenn du auf der Suche nach jemandem warst, verfolgst du ihn weiterhin mit eisiger Kälte. Wenn du voller Angst warst, rächst du dich an denen, die dir Angst gemacht haben. Wenn du ein Ziel hattest, versuchst du es mit aller Gewalt zu erreichen.

Du bist zu einem Vasallen des Winters geworden.

Dieser Beitrag wurde unter Lexikon veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s