Arbeit in der Rollenspielszene

Ben Lehman, Autor von Polaris, warnt in einem Gastbeitrag auf dem Blog von D. Vincent Baker, anyway, vor der Geschäftspraxis von Margaret Weis Productions, dem Herausgeber von bekannten Rollenspieltiteln wie Leverage, Firefly, Smallville und kürzlich Marvel.

Durch private Diskussionen mit mehreren selbständigen Autoren, die für MWP schreiben, haben sich mir schockierende Parallelen gezeigt. Insgesamt sieht es wie folgt aus: Margret Weis Productions hat einheitlich entweder unverschämt spät bezahlt oder schlichtweg jede Zahlung abgelehnt. Diese Ablehnung äußerte sich meist in der Form, dass man sich für unzuständig erklärte und nur vage Andeutungen machte, dass eine Zahlung in Kürze zu erwarten sei.

—Ben Lehman, Caveat Scriba: Margret Weis Productions

In den lesenswerten Kommentaren zu diesem Artikel äußern sich viele der bekanntesten Personen aus der indie RPG-Szene, unter anderem Fred Hicks, John Harper, D. Vincent Baker, Ryan Macklin und Sage laTorra.

Wie sieht es für uns Hobbyrollenspieler aus, die wir eigentlich nur aus Freude an unserem Hobby an Rollenspieltexten arbeiten?

Häufig bekomme ich Emails, die mich fragen, wie man Teil der Rollenspielindustrie wird. Wenn derjenige bereits an einem Rollenspieltext arbeite, sage ich einfach: Herzlichen Glückwunsch, du bist Teil der Rollenspielindustrie!

—Fred Hicks, How do I start?

Es ist ziemlich einfach, etwas für sein Hobby Rollenspiel zu tun. Wer Zeit und Talent hat, kann an Abenteuerwettbewerben teilnehmen, Zeitschriftenartikel schreiben, kann sich in Foren engagieren und auf Cons Spiele leiten.

Ich selbst bin immer begeistert, wenn ich Emails bekomme, in denen jemand fragt, ob er helfen kann. Bis jetzt habe ich nie nein gesagt. Allein schon der Enthusiasmus der Mitmachenden ist es wert!

  • Möchtest du etwas übersetzen? Klasse, hier ist ein Text, übersetze ihn.
  • Möchtest du Rollenspieltexte lesen? Klasse, hier ist ein Text, redigier ihn.
  • Möchtest du eigene Texte schreiben? Klasse, wir finden sicher die richtige Publikationsform.
  • Möchtest du mit InDesign rumspielen? Klasse, hier ist ein Text, layoute ihn.
  • Möchtest du deine Illustrationen veröffentlichen? Klasse, wir finden sicher die richtige Publikationsform.

Aber was bekommst du dafür?

  • Das gute Gefühl, produktiv etwas für dein Hobby getan zu haben.
  • Feedback
  • Erfahrung
  • Erwähnung im Impressum und auf dem Blog (wenn du möchtest)
  • Vergünstigte Druckexemplare
  • Kostenlose PDFs

Geld bekommst du meist nicht dafür. Bekommen die, die für MWP schreiben ja auch nicht, könnte man sagen.

Es ist ein bisschen so wie mit dem Berufseinstieg: Viele Arbeitsangebote setzen Berufserfahrung voraus. Im Rollenspielsektor ist es unglaublich einfach, diese „Berufserfahrung“ anzusammeln. Einfach eine Email schreiben und los geht’s.

Ich bin wirklich dankbar über jede Email, die mich so erreicht hat: Fantastisch, Leute!

Wenn du dann in mehreren Projekten gezeigt hast, wie gut du bist, kommen auch die finanziellen Angebote auf dich zu.

Was meint ihr? Wie sind eure Erfahrungen in der ‚Industrie‘?

5 Gedanken zu „Arbeit in der Rollenspielszene

  1. Tja, was soll ich sagen: Ich habe auf meinem Blog und im Tanelorn ein wenig eigenes Zeug abgestellt, vor allem Abenteuer, Szenarien, Gegenstände und ein paar kurze Tipps zum Sandkastenbau. Als bisher größtes eigenes Projekt habe ich den Roman Tai Pan als Hintergrund für REIGN umgesetzt. Daneben arbeite ich noch bei jcgames mit und habe SpacePirates (nebst Themenheften) und Das Weltenbuch lektoriert, aber auch ein paar Abenteuer geschrieben, sonstige Ideen beigesteuert und natürlich Werbung auf Cons gemacht. Obwohl die Arbeit bei jcgames vor allem Spaß macht, wurde ich trotzdem fürstlich entlohnt – Jürgen hat mich als Danke schön in Ulm zum Essen auf dem Weihnachtsmarkt eingeladen. (Für die versprochene Torte für ein Expresslektorat in letzter Minute war es leider zu kalt, aber ein Stück Schweinebraten ist ja auch nicht zu verachten).

    • Heya Belchion! Danke für deine Einblicke.

      Das sind echt schon viele Projekte. Wie bist du daran gekommen? Wurdest du angesprochen oder hast du jemanden angesprochen? Waren es deine Aktivitäten im Rollenspielbereich oder deine sonstigen beruflichen Aktivitäten, die dich für Lektorat etc. qualifiziert haben?

      • Beim Weltenbuch hatte ich mich beschwert, weil der Text teilweise arg unverständlich war. Irgendwie ist es dann dazu gekommen, dass ich ihn lektoriert habe. Anschließend wurde mir dann einfach der Schlüssel zum Werkraum in die Hand gedrückt, mit der Bitte, weiterhin zu lektorieren, weil das beim ersten Mal ja gut geklappt habe.

  2. Nein, riesig verdienen tut man in der Tat nicht. Für mich war das Mitarbeiten bei Pathfinder ein Blick auf die andere seite, nachdem ich schon Jahre in der Szene aktiv war. Auch heute gibt es viele tolle Projekte, die vom Treibstoff Fan leben, und ich freu mich an einigen beteiligt zu sein. Umgekehrt freu ich mich auch auf rege Teilnahme an meinem Abenteuerwettbewerb und hofffe, für alle Beteilgten auch viel Feedback nebst einigen Sachpreisen zu organisieren. Kurzum, ist viel wahres dran.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s