Das Lexikon des Abnormalen: Popstar

"You got me freakin' like a ma-ni-ac"

„You got me freakin‘ like a ma-ni-ac, a ma-ni-ac!“ Mit diesem Refrain deines Songs „Maniac“ bist du ganz oben gelandet: in den Singlecharts, in der Bildzeitung, in den Herzen all deiner Fans.

Eigentlich hat alles ganz unscheinbar angefangen. Erst hast du mit der Band im Keller geprobt, dann seid ihr auf kleineren Dorffesten aufgetreten und irgendwann hat’s dir dann gereicht. Du hast dich bei einer Castingshow angemeldet und nach einem nicht enden wollenden Martyrium ist dir der Durchbruch gelungen. Popstar!

Deine Fans sind freakig ohne Ende. Sie haben sogar ein eigenes Fanzine herausgebracht: „Maniatrix“ (so nennen sie sich auch selber: Die Maniatrix). Es wird dir immer druckfrisch zugeschickt und du weißt nicht wie, aber irgendwie schaffen die es, im „Maniatrix“ deine aktuellen Abenteuer zu drucken. Die Geschichte wird zwar nicht weitergesponnen, aber allein der auktoriale Erzählstil ist Gold wert.

1-2

Du kommst in jeden VIP-Bereich, bist mit vielen Prominenten per du und man erkennt dich – ob das immer so gut ist, ist eine andere Frage. Aber eigentlich kannst du jeden um den Finger wickeln, und gerade diejenigen, von denen du es am wenigsten erwartest, lesen das Fanzine.

3-4

Deine Fans sind die Größten! Sie stürmen überall hinein, um dich auf Händen tragend herauszubefördern. Das ist besonders praktisch, wenn du gerade im Knast oder in einer anderen Notlage bist.

5-6

Ha, man drückt dir die neuste Ausgabe des „Maniatrix“ in die Hände. Die Story darin endet mit deiner aktuellen Situation. Richtig praktisch sind die Absätze, die mit „Währenddessen anderswo in der Stadt“ oder „Da wusste man noch nicht, dass…“ überschrieben sind. Nebenbei: Eine Twitternachricht von dir (nicht einmal notwendig, wenn die „Mainiatrix“ für dich twittern) und der Flashmob steht bei Fuß!

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Eine Niederlage zu erleben ist die eine Sache, aber dann die eigene Niederlage schwarz auf weiß im „Maniatrix“ zu lesen, eine andere. Besonders dieses „(Anm. d. Red.: Wir wären zur Stelle gewesen)“ kannst du nicht ertragen. Du bist nicht auf sie angewiesen, sondern sie auf dich!

Flucht

Du könntest jetzt ganz wo anders sein, der Star sein, umjubelt und vergöttert. Was machst du noch hier?

Wie verändert es mich?

„You can make it happen!“ und so siehst du mehr und mehr aus. Deine Zähne werden bleicher, dein Lächeln gewinnender, deine Frisur stylischer und dein Outfit perfekter.

Was werde ich?

Irgendwann ist dir Musik nicht mehr genug. Du schreibst Bücher, wirst in die Politik gewählt, schauspielerst, spielst Tennis und bist auf jeder Party gleichzeitig. Du bist faktisch allgegenwärtig, es gibt keine Zeitung, in der nicht etwas über dich steht.

Der „Maniatrix“ erscheint wöchentlich und hat die veritable Länge von 200 Seiten überschritten. Man kommt fast nicht mehr nach, all das aufzulisten, was du machst.

Dadurch verschwindet mehr und mehr das, was dich als Persönlichkeit ausmacht. Dein Name ist gleichbedeutend mit „außergewöhnlich“, jeder hat dich schon mal getroffen.

Du bist zu einem Pop-Meme geworden.

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2 Gedanken zu „Das Lexikon des Abnormalen: Popstar

  1. Ich merke es spät, aber ich merke es immer, wenn das Lexikon lange nicht befüllt wurde. Ihr müsst mal weiter machen nach der Weihnachtspause🙂

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