Das Lexikon des Abnormalen: Miniaturisierung

Skizze des Vorgängermodells M-14.

Kapitänslogbuch des Miniaturisierungsroboters M-34: Energiereserven sind bei 80%. Reparaturstatus bei 84%. Weiterhin kann der Fluxkompensator nicht ersetzt werden, sein Eintritt in die momentane Timeline wird erwartet in T-200 Jahren. Die Crew ist in guter Verfassung, keine Sterbefälle, eine Geburt. Ein Mädchen.

Du und deine Crew, ihr seid aus dem Jahr 2220 in die Vergangenheit gereist, um all die abnormalen Ereignisse zu katalogisieren, die seit 2009 in dieser Region aufgetreten sind. Dann brannte der Fluxkompensator durch und ihr konntet nicht mehr zurück reisen.

Für eure Mission habt ihr den M-34 erhalten, einen Miniaturisierungsroboter der neusten Generation. Er ist menschengroß und sieht dank dynamischer Oberfläche exakt wie ein Mensch aus. Die Standardoberfläche ist die seines Kapitäns, er sieht also genau so aus wie du.

Das wirklich clevere ist aber die Miniaturisierung. Durch sie ist das Innere des M-34 so groß wie ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Ausgestattet mit allen erdenklichen Lebenserhaltungs- und Genusssystemen bietet der M-34 State-of-the-Art Komfort für die auf Insektengröße miniaturisierte Besatzung.

Als Kapitän bist du fast rund um die Uhr auf der Brücke und steuerst den M-34 durch die Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Mit dem Fluxkompensator sind noch weitere vitale Systeme an Bord zusammen gebrochen. Etwa die Bewegungsroutinen, so dass die Bewegungen des M-34 sehr hölzern und ungelenk sind. Auch kannst du nicht aus dem M-34 hinaus, und niemand kann hinein.

Miniaturisiert in einem menschengroßen Roboter im 21. Jahrhundert gestrandet… du bist wirklich am Arsch. Das ist auch so ein blöder Spruch, den du dir gefallen lassen musst, wenn sich der Kommandoraum im bestgepolsterten Bereich des Roboters befindet.

Schlafen braucht der M-34 dank Schichtdienst nicht. Aber je mehr du die Fähigkeiten der Maschine beanspruchst, umso gefährlicher werden ihre Fehlfunktionen.

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Du kannst jederzeit auf deine Crew zurückgreifen, sie kann etwa Lösungsstrategien erarbeiten. Informationen aus dem 23. Jahrhundert sind natürlich vor dem Zusammenbruch des Fluxkompensators nicht offline gespeichert worden, so dass ihr im M-34 nur Zugriff auf das Internet des 21. Jahrhunderts habt. Telefonieren ist auch problemlos möglich.

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Die Außenhaut des M-34 kann elektrisiert werden und damit Stromstöße austeilen. Der M-34 hat zudem Infarotsicht und Richtmikrofone, was für den Außenstehenden wie Glubschaugen und Ohrenwackeln aussieht.

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Der Kampfmodus. Granaten werden aus dem Handgelenk geschüttelt, aus der ausgestreckten Zunge schießt ein Laserstrahl und im Bedarfsfall kann mit unter den Achseln befindlichen Düsen geflogen werden. Das alles sieht sehr spastisch und unelegant aus, ist aber hoch effektiv.

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Du bist auf Insektengröße miniaturisiert und steckst in einem Kampfroboter im 21. Jahrundert fest. Viele Leute haben schon bei geringeren Problemen einen Minderwertigkeitskomplex entwickelt.

Flucht

Der M-34 ist High-Maintenance. Die Dellen in der Chassis müssen aufwendig ausgebeult werden und Ersatzteile gibt es erst in gut 200 Jahren. Da ist Vorsicht angebracht.

Wie verändere ich mich?

Die ursprüngliche Mission war, etwas mehr über die abnormalen Ereignisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts herauszufinden. Jetzt sind diese Ereignisse vielleicht die einzige Möglichkeit, den Fluxkompensator zu reparieren und aus dieser gottverlassenen Timeline herauszukommen. Daher ist jetzt das oberste Ziel, mehr über die Abnormalität herauszufinden.

Wartungsarbeiten an der Außenhaut werden nur dann durchgeführt, wenn sie unumgänglich sind. Ausgefallenes Haar wird nicht ersetzt, so dass der M-34 kahl wird. Auch die Selbstfettung hast du auf Gelenke beschränkt, was dazu geführt hat, dass die Haut sehr spröde und abgeschürft aussieht.

Allgemein wird Überflüssiges vermieden, um Energie zu sparen. Zwar würde die Energie auch bei normaler Beanspruchung noch gut 100 Jahre reichen, aber wenn es hart auf hart kommt, muss das Teil noch bis 2220 laufen.

Mimik abgeschaltet. Gestik abgeschaltet. Aussprache von mechanisch (Synthetische Stimmbänder und Mundverformung) auf elektronisch (Lautsprecher in Mundregion) umgestellt. Du lässt den M-34 im Energiesparmodus laufen.

Was werde ich?

Irgendwann ist auch das oberste Prinzip der Zeitreisen – „Wer die Vergangenheit verändert, landet auf einer anderen Timeline“ – nicht mehr heilig. Dann bist du halt auf einer anderen Timeline! Solange du endlich aus diesem verdammten Blechgerippe herauskommst und wieder vergrößert werden kannst, ist dir jedes Mittel recht.

Die Erinnerung von dir und deiner Crew sind wage. Keiner von euch hat in Geschichte aufgepasst, da die Informationen immer über das Internet des 23. Jahrhunderts zur Verfügung standen. Aber alle zusammen seid ihr auf eine Liste von 13 Leuten gekommen, die die technische Entwicklung zwischen 2000 und 2200 gehemmt haben.

Das neue Ziel ist jetzt, diese 13 Leute zu liquidieren, so dass der Entwicklung des Fluxkompensators nichts im Wege steht. Da du dich ehe auf einer anderen Timeline befindest, sind moralische Hemmungen nicht mehr gegeben. Getötet werden nicht Gestalten aus deiner Vergangenheit, sondern Personen einer Timeline, die es ohne dich gar nicht gegeben hätte. Somit sind Kollateralschäden unbeachtlich.

Du bist zu einem Zeitraffer geworden.

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2 Gedanken zu „Das Lexikon des Abnormalen: Miniaturisierung

  1. Nur eine Zwischenfrage: Müssten wir nicht diese Woche beim Buchstaben P angelangt sein? Ich verfolge das Blog per RSS und habe das Ausbleiben der Artikel erst jetzt bemerkt. Schande über mich! Wann geht es weiter?

  2. Heya Dennis, danke für deine Nachfrage!

    Ich habe eine kleine Halbzeitpause eingelegt. Hauptsächlich, weil gerade ein anderes Rollenspielprojekt kurz vor der Fertigstellung ist, aber auch weil die Seitenaufrufe – also das Interesse – an dem „Lexikon“ gesunken ist. Ich denke aber, dass nach dem Projekt das Interesse am Lexikon wieder steigt!

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