Das Lexikon des Abnormalen: Lunge

Und ich pustete und pustete und pustete!

Die letzte Zigarette hast du in 3,15 Sekunden aufgeraucht. Neue Bestzeit!…

Alles begann mit der Geburtstagstorte. Um dich etwas zu veralbern, hat dein Vater dir Geburtstagskerzen gekauft, die nicht verlöschen. Nachdem dir die Torte präsentiert wurde, deine Eltern und alle Onkel und Tanten um dich herum standen, hast du gepustet. Die Kerze ging nicht aus. Du bist rot geworden vor Scham, hast mehr Luft eingesogen und nochmal gepustet. Wieder konntest du die Flamme nicht löschen. Du dachtest, es läge an dir und dir war es unsagbar peinlich, dass du vor den ganzen wichtigen Leuten nicht einmal eine Kerze ausblasen konntest. Dann hast du ein drittes Mal die Luft eingesogen, richtig viel, und dann hast du gepustet! Die gesamte Torte klatschte erst gegen Tante Maria und dann gegen die Wand. In dem Chaos, dass danach ausbrach, wurde dir bewusst, dass irgendetwas mit deiner Lunge nicht stimmt.

1-2

Du kannst beliebig lange unter Wasser bleiben, wenn du vorher Luft geholt hast. Ausdauer ist bei dem Lungenvolumen auch kein Problem. Du kannst so stark pusten, dass Torten an die Wand fliegen.

3-4

Du kannst ein Gas einsaugen und es dann wieder ausspeien. Zusammen mit einem Feuerzeug ergibt das bei brennbaren Gasen einen respektablen Flammenwerfer oder gar einen Feuerball. Mit Helium kannst du fliegen.

5-6

Du kannst Menschen, Kühe und sogar Gebäude wortwörtlich wegpusten.

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Deinen Gegnern geht gewiss schneller die Puste aus.

Flucht

Du weisst noch, wie entsetzt deine Verwandten waren, als die Torte an Tante Maria klebte. So wird es immer sein, wenn du pustest. Daher schnell auf den Boden pusten und selbst weggepustet werden.

Wie verändere ich mich?

Je mehr du deine Lunge einsetzt, umso größer wird dein Brustkorb. Dein Kopf bleibt rot vom Pusten und deine Wangen werden so aufgebläht wie die eines Trompeters.

Aber damit hören die Veränderungen nicht auf. Deine Körperbehaarung wird stärker, dein Gesicht schmaler und deine Ohren wachsen in die Höhe. Du gehst gekrümmt und deine Wolfszähne blitzen gelegentlich auf.

Was werde ich?

Du pustest einfach gerne. Frei von der Leber weg, wie man so schön sagt. Durch die körperlichen Veränderungen haben sich deine Freunde von dir abgewendet, so dass das Pusten dein einziger Zeitvertreib ist.

Aber immer nur für sich selber pusten genügt dir nicht. Du hörst dich ein bisschen um, wo man deinen langen Atem gebrauchen könnte. Eigentlich geht es dir um Zuneigung, nur die wenigsten Menschen sind bereit, über dein Äußeres hinwegzusehen. Lediglich zwielichtige Gestalten wollen sich mit dir abgeben, und du möchtest garnicht ergründen, ob sie einfach so nett zu dir sind oder dich nur ausnutzen.

Deine neuen Freunde geben dir verschiedene Aufträge. Du sollst Autos wegpusten, Türen einpusten und andere Dinge mit deinem Atem bearbeiten.

Möchtest du nicht darüber nachdenken, zu was du geworden bist?

Pustekuchen.

Du bist der Große Böse Wolf geworden.

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