Das Lexikon des Abnormalen: Couchsurfing

Was kann ich tun?

Gib Fremden Platz für die Nacht, einer von euch wird umgebracht.

Ohne Geld bis ans Ende der Welt. Das hört sich für dich nicht besonders an, denn du hast es schon ein paar Mal gemacht. Du weisst selber nicht genau, woran es liegt, aber die Leute vertrauen dir. Sie laden dich ein, bei ihnen zu übernachten, zeigen dir ihre Stadt, spendieren dir das Abendessen und helfen dir. Einfach so.

Mit Facebook, Google+, Twitter kannst du dich optimal darstellen, mit all den Leuten Kontakt halten, und über 7 Ecken kennt sich die ganze Welt. Du schwimmst auf einer Welle der Nächstenliebe und Gastfreundschaft. Was im trüben Wasser unter der Welle ist, sollte besser niemand erfahren.

1-2:

Normale Leute sind einfach nett zu dir. Dein Essen geht auf’s Haus; wenn du per Anhalter fährst, nimmt dich jeder mit. Du musst nur das Wort „Übernachtung“ fallen lassen, und du erhältst eine Einladung.

3-4:

Auch die Autoritäten sind nett zu dir. Der Polizist winkt dich bei der Verkehrskontrolle durch, ohne einen Blick in den Kofferraum zu werfen. Normale Leute erzählen dir ihre Geheimnisse, wollen, dass du Teil ihres Leben wirst, denn du bist ja so sympathisch.

5-6:

Du kannst problemlos ganze Menschenmassen zusammentrommeln. Man kennt dich, mag dich, glaubt dir. Es kursieren schon die coolsten Geschichten über dich, die nicht mal einen Funken Wahrheit enthalten. Aber wen störts?

Wie zersetzt es mich?

Kampf

Wenn jemand aggressiv wird, wirst du es auch. Wie kann jemand etwas gegen dich haben? Das ist absurd! Da muss jemandem eine Lektion erteilt werden.

Flucht

Was ist das hier? Wieso mag dich jemand nicht? Wenn keiner deiner sogenannten Freunde da ist, dann bist du am falschen Ort, dann musst du wieder dorthin, wo man freundlich und zuvorkommend ist. Bloß weg von diesem verfluchten Ort.

Wie verwandle ich mich?

Mit der Zeit bist du auf die Freundlichkeit angewiesen. Du entwickelst ein Gespür dafür, was die Mitmenschen von dir erwarten. Dein Teint wird makellos, deine Mimik und Gestik weich und geschmeidig. An dir gibt es keine Kanten und Ecken, an denen sich jemand stören könnte. All dein Auftreten ist gleichförmig und irgendwie beliebig. Die Leute mögen dich, weil sie denken, dich von irgendwo her zu kennen. Du kannst dich perfekt einfügen und bist in kürzester Zeit Teil einer Familie. Das reicht aber nicht, du willst, dass dich die ganze Welt mag.

Was werde ich?

Natürlich gibt es immer jemanden, der dich irgendwie nicht mag. So etwas kannst du nicht tolerieren. Also erpresst du die Person, damit sie nett zu dir ist. Wenn das nicht funktioniert, bringst du sie um. Du versuchst dann zwar dein Bestes, um die Spuren zu verwischen, aber auch wenn du deine Bewertungen bei couchsurfing.net manipulierst, ist es auffällig, dass viele deiner Facebook-Freunde seit einiger Zeit nicht mehr online sind. Das fällt dann neuen Freunden auf, die dann wiederum von der Bildfläche verschwinden müssen.

Zudem merkst du, dass dir Freunde nicht so viel Freundschaft geben können, wie du verdienst. Du saugst ihre Freundlichkeit aus, bis nichts – kein Geld, keine Wohnung, keine Lebenslust – mehr übrig ist und ziehst dann weiter. Immer auf der Suche nach mehr Zärtlichkeit, mehr Altruismus, mehr Liebe.

Du bist zu einem Sozialparasiten geworden.

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